Terrassenüberdachung: Glas oder Polycarbonat?

29. September 2026 6 Min. Lesezeit

Eine Terrassenüberdachung besteht aus Stützen, Sparren und der Eindeckung – dem eigentlichen Dach. Die Konstruktion ist heute meist aus Aluminium. Bei der Eindeckung haben Sie im Kern zwei Möglichkeiten: Glas oder Stegplatten aus Polycarbonat. Beide halten den Regen ab. Wie sich der Platz darunter anfühlt, unterscheidet sich aber deutlich. Dieser Artikel hilft Ihnen bei der Wahl.

Was ist was?

Glas im Terrassendach ist Verbund-Sicherheitsglas (VSG): zwei Scheiben, die eine reißfeste Folie verbindet. Bricht das Glas, bleiben die Stücke an der Folie hängen.

Polycarbonat ist ein schlagfester Kunststoff. Im Terrassendach wird er meist als Stegplatte verbaut: zwei oder mehr Kunststoffschichten, die durch senkrechte Stege verbunden sind. Das macht die Platte steif und leicht.

Eine dritte Bauart ist das Lamellendach mit drehbaren Alu-Lamellen. Es folgt einer eigenen Logik und ist hier nicht Thema – mehr dazu unter Lamellendach und Pergola.

Der Vergleich

KriteriumGlas (VSG)Polycarbonat
Durchblickklar, freier Blick in den Himmelklar oder milchig, Stege im Blick
Bei Regenmeist ruhigermeist lauter, vor allem bei Hagel
Alterungvergilbt nicht, kratzfestkann vergilben und verkratzen
Gewichtschwer, kräftigere Konstruktionleicht, schlankere Konstruktion
Bei BruchFolie hält die Stückesehr schlagfest, splittert nicht
Preisoberes Ende der Spanneunteres Ende der Spanne

Die Tabelle ist eine qualitative Einordnung. Die genauen Werte hängen vom Glasaufbau oder Plattentyp des jeweiligen Systems ab.

Wann Glas die bessere Wahl ist

Glas lohnt sich, wenn die Terrasse ein Ort zum Wohnen ist: Sie essen dort, lesen, sitzen auch bei Nieselregen draußen. Unter Glas bleibt der Himmel sichtbar, und der Platz wirkt nicht wie ein Unterstand. Glas altert kaum. Bei normaler Reinigung verkratzt es nicht und wird auch nach Jahren nicht gelb.

Zwei Punkte sollten Sie wissen. Erstens ist Glas schwer. Die Konstruktion muss dafür ausgelegt sein, und die Statik muss die Schneelast an Ihrem Standort berücksichtigen. Zweitens lässt Glas viel Sonnenwärme durch. In der Mittagssonne wird es darunter deutlich wärmer als unter einem Sonnenschirm. Eine Markise auf dem Dach schafft Abhilfe – planen Sie sie am besten gleich mit. Mehr dazu unter Beschattung.

Wann Polycarbonat reicht

Polycarbonat ist die preisbewusste Lösung. Es passt gut, wenn Sie eine Fläche vor allem trocken halten wollen: über Gartenmöbeln, Fahrrädern, dem Grillplatz oder einem Durchgang am Haus. Weil die Platten leicht sind, kommt die Konstruktion mit schlankeren Profilen aus.

Die Nachteile zeigen sich im Alltag. Regen trommelt hörbar lauter. Der Blick nach oben ist durch die Stege nicht frei, bei milchigen Platten gar nicht. Und über die Jahre können die Platten vergilben und verkratzen. Für einen geschlossenen, beheizten Wintergarten kommt Polycarbonat nicht infrage.

Ein Tipp: Viele Systeme nehmen beide Eindeckungen auf derselben Aluminiumkonstruktion auf. Wenn Sie mit Polycarbonat beginnen und später auf Glas wechseln möchten, lassen Sie prüfen, ob die Konstruktion für das höhere Gewicht ausgelegt ist.

Klar, matt oder getönt

Auch Glas muss nicht glasklar sein. Matte Varianten entstehen durch eine eingefärbte Folie oder eine satinierte Oberfläche. Sie streuen das Licht, blenden weniger und verbergen Laub und Schmutz auf dem Dach. Getönte Gläser und Sonnenschutzgläser lassen weniger Wärme durch – an heißen Tagen ersetzen sie eine Beschattung aber nicht.

Die Lage Ihrer Terrasse hilft bei der Wahl. Auf einer Nordterrasse zählt jedes bisschen Licht, dort ist klares Glas sinnvoll. Eine Süd- oder Westterrasse ist mit mattem oder getöntem Glas plus Markise angenehmer. Bedenken Sie: Klares Glas können Sie später abdunkeln, mattes Glas nicht klar machen.

Dachneigung und Entwässerung

Ein Terrassendach liegt nie ganz flach. Es braucht Gefälle von der Hauswand weg, damit Wasser abläuft und Schmutz mitnimmt. Ist die Neigung zu gering, bleiben Pfützen mit Kalkrändern, und Laub sammelt sich an den Leisten. Die Mindestneigung gibt der Hersteller für sein System vor.

Die Neigung hat Folgen: Sie bestimmt die Anschlusshöhe an der Hauswand – unter Fenstern, Rollladenkästen oder der Dachrinne muss genug Platz bleiben. Vorne bestimmt sie die Durchgangshöhe. Und das Wasser braucht einen Weg: Rinne, Fallrohr (oft in einer Stütze versteckt) und einen Anschluss an Kanal oder Versickerung. Das sollte im Angebot stehen.

Was kostet eine Terrassenüberdachung?

Als Richtwert für den deutschen Markt kostet eine Terrassenüberdachung komplett geliefert und montiert etwa 300 bis 900 Euro pro Quadratmeter. Mit Glasdach liegen Sie eher am oberen Ende, mit Polycarbonat eher am unteren. Für eine Terrasse von 4 × 3 Metern, also 12 m², ergibt die Spanne rund 3.600 bis 10.800 Euro.

Innerhalb der Spanne zählen außer der Eindeckung auch die Größe und das Zubehör. Größere Flächen sind pro m² meist etwas günstiger, weil sich Aufmaß, Anfahrt und Statik verteilen. Markise, Beleuchtung oder Seitenwände kosten extra. Einen verbindlichen Preis nennt der Betrieb erst nach dem Aufmaß. Mehr zu den Kosten von Wintergärten lesen Sie im Artikel Wintergarten-Kosten.

Später mehr daraus machen?

Viele Überdachungen bekommen nach ein paar Jahren Seitenwände oder Glasschiebeelemente. Damit ändern sich Statik, Fundament und unter Umständen das Baurecht. Wird aus der offenen Überdachung ein geschlossener Raum, gelten die Regeln für Wintergärten – siehe Wintergarten-Baugenehmigung. Wenn Sie so etwas vorhaben, sagen Sie es dem Betrieb gleich zu Beginn. Mehr zu verschiebbaren Glaswänden unter Glasschiebewand.

Checkliste für das Angebot

  • Ist beim Glasdach ausdrücklich VSG mit Glasaufbau genannt?
  • Stammt die Glasstärke aus einer Statik für Ihren Standort?
  • Ist die tragende Konstruktion nach EN 1090-1 CE-gekennzeichnet?
  • Sind Dachneigung und Anschlusshöhe eingezeichnet?
  • Steht drin, wie und wohin das Regenwasser abläuft?
  • Ist eine Beschattung eingeplant oder zumindest vorbereitet?

Weitere Prüfpunkte finden Sie im Artikel Wintergarten-Angebote vergleichen. Betriebe für Terrassenüberdachungen in Ihrer Region finden Sie im Verzeichnis und unter Terrassenüberdachung.

Häufige Fragen

Darf ich ESG ins Terrassendach einbauen?

Nicht allein. Über Kopf ist VSG vorgeschrieben, weil es bei einem Bruch zusammenhält. ESG zerfällt in Krümel und eignet sich nur für Seitenwände.

Brauche ich Isolierglas für die Terrassenüberdachung?

Nein. Eine offene Überdachung hat keinen beheizten Raum, dessen Wärme gehalten werden müsste. Isolierglas wird erst beim geschlossenen, beheizten Wintergarten nötig.

Wie reinige ich ein Glasdach?

Mit Wasser, mildem Reiniger und einem weichen Abzieher am Teleskopstiel. Betreten Sie das Dach nicht – es ist für Schnee und Wind bemessen, nicht für das Gewicht einer Person. Rinne und Fallrohr sollten Sie regelmäßig säubern.

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